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Vincent Klink: Ein Bauch spaziert durch Fellbach

Vincent Klink im Weingut Aldinger

Ich weiß viel, aber nur aus Büchern

– Vincent Klink –

Vincent Klink liest und musiziert im Rahmen des Fellbacher Kultursommers. Wir treffen den Meisterkoch an zwei Orten, die ihm besonders am Herzen liegen – in einem Weingut und in einer Buchhandlung.

Man fragt sich insgeheim schon ein wenig, wie viele Stunden eigentlich in Vincent Klinks Tage gehen. Mit 74 Jahren ist er zwar längst über das Rentenalter hinaus, führt sein Restaurant Wielandshöhe aber immer noch mit derselben Passion und Hingabe wie eh und je, ist darüber hinaus als Autor, Musiker, Flaneur und Gärtner hochaktiv, reist gern und liest viel. In den vergangenen Jahren hat er sich verstärkt der Literatur gewidmet, hat mit „Ein Bauch lustwandelt durch Wien“, „Ein Bauch spaziert durch Venedig“ oder „Ein Bauch spaziert durch Paris“ vergnügliche Reiseliteratur für Gaumenfreunde veröffentlicht.

Letzterer Band, erschienen 2015 bei Rowohlt, bringt Vincent Klink im Sommer zurück nach Fellbach. Am 12. Juni ab 19 Uhr liest er daraus und musiziert dazu in der Musikschule, organisiert vom Stadtmuseum Fellbach, der Kulturgemeinschaft Fellbach e.V. und der Buchhandlung Lack, dem einzigen Fellbacher Überlebenden einer aussterbenden Art, der inhabergeführten, wohl kuratierten, heimeligen Buchhandlung. Vincent Klink sieht sich interessiert um, plaudert mit Inhaberin Gudrun Lack, die ihr Geschäft seit drei Jahrzehnten führt und die Meriten des geschriebenen Wortes entschlossen verteidigt. „Ich weiß viel, aber nur aus Büchern“, ist so einer dieser Sätze, die Vincent Klink nebenher drechselt, quasi im Vorübergehen. Man merkt sie sich.

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Kosten: Eintritt: 18 Euro, Mitglieder der Kulturgemeinschaft Fellbach 15 Euro, Schüler und Studenten 7 Euro.

 

Karten gibt es ab 6. Mai 2023 beim i-Punkt Fellbach, Marktplatz 2, 70734 Fellbach, Telefon 0711 580058.

Dass Vincent Klink in Fellbach liest, passt. Als Koch und Restaurateur weiß er natürlich um die fundamentale Bedeutung der Stadt und des Remstals für seine Weinkarte, mit den VDP-Weingütern Aldinger, Schnaitmann oder Heid pflegt er lange und teilweise innige Beziehungen. Nach einem ausgiebigen Plausch bei Bücher-Lack verschlägt es uns deswegen zum Weingut Aldinger, wo der Koch begrüßt wird wie ein alter Freund. Seniorchef Gerd Aldinger und seine heute federführenden Söhne Hansjörg und Matthias kennen Klink lang und gut, sofort ist man am Fachsimpeln, Brezel in der einen, Weinglas in der anderen Hand. „Bei Aldingers ist es mir schon immer gut gegangen“, stellt Klink zufrieden fest und seine Augen funkeln hinter seiner Brille.

Klink und Gerd Aldinger kennen sich seit 50 Jahren, das prägt. „Der Aldinger war damals als Revoluzzer bekannt, er eckte an und machte was Neues“, plaudert Klink aus dem Nähkästchen. „Das gefiel mir natürlich.“ Auch wenn Klink auf der ganzen Welt herumgekommen ist: Das Remstal wird immer ein besonderer Ort für ihn bleiben. Das hält ihn zum Glück nicht davon ab, sich weiterhin durch die Weltgeschichte zu speisen und seine Erinnerungen in literarischer Form festzuhalten. Zur Themenwahl sagt der Lebenskünstler: „Es richtet sich immer danach, wo ich gern hinfahren würde, aber gerade nicht kann. Und Paris lag da auf der Hand, weil ich mich schon kreuz und quer durch die Stadt gegessen habe.“

Die Frankreichleidenschaft des Vincent Klink beginnt früh und erweist sich als unheilbar. „Mein Vater war frankophil und ein großer Gourmet“, erinnert er sich. „Schon in den Sechzigern fuhr er zu Bocuse und anderen Größen. Eigentlich wollte ich ja Bildhauer werden, doch er zwang mich dazu, Koch zu werden. Für ihn gab es keinen schöneren Beruf.“ Für Vincent Klink dann sehr bald auch nicht mehr. Bald gaben Klink und seine Frau jeden verfügbaren Cent bei Restaurantbesuchen in Frankreich aus. „Das macht man als Schwabe eigentlich nicht", schmunzelt er. „Aber ich habe dieses ganze kulinarische Wissen nach Hause gebracht. Beim Essengehen lernt man mehr als beim Kochen.“

Stolz ist er über weniges, von so etwas hält er eigentlich nichts. Aber darauf schon: Mit Paul Haeberlin, dem legendären Koch der L'Auberge de L'Ill, verband ihn eine lange Freundschaft, sie kochten auch zusammen. „Außerdem war ich bestimmt 20 Mal dort essen. Ich nenne das stehlen mit den Augen“, grinst Klink mit einer Extraportion Schalk. An Frankreich imponiert ihm bis heute die Hingabe an gutes Essen, die gastrosophische Kultur als solche, der pure Genuss an einer guten Mahlzeit. „Tradition und Klassik haben in Frankreich einen ganz anderen Stellenwert“, betont er. „Da fängt jemand als Lehrling an und ist 50 Jahre später der Küchenchef.“ In „Ein Bauch spaziert durch Paris“ geht es dann auch genau darum – um Lebenslust, um Lebenskunst, um gutes Essen und guten Wein. „Ich bin ein Träumer und suche gezielt Plätze auf, wo das alte Paris noch atmet“, so der Koch über das Buch. „Sie sind weniger geworden, aber es gibt sie.“

Für ihn steht fest: Ohne Frankreich würde es auch in seiner Küche anders aussehen. „Man kann nur was aus dem Ärmel schütteln, wenn man vorher auch etwas reingetan hat“, meint er dazu. Heute ist Klink Gastgeber und Seniorchef, für ihn der beste Beruf, den man sich vorstellen kann. „Gute Gastgeber sind selten“, sagt er. „Man braucht Einfühlungsvermögen, Menschenkenntnis – egal ob in einem Sternerestaurant oder in einer Bahnhofskneipe. Man muss auf Augenhöhe mit seinen Gästen bleiben.“ Vincent Klink ist das seit fast 50 Jahren. Und er hat nicht vor, bald damit aufzuhören.

Zur Buchhandlung Lack & dem Weingut Aldinger

Beratung & Auswahl wie sie sein muss, auf den Punkt & mit Liebe für das Medium Buch: Buchhandlung Lack

 

Weine, die in der Wielandshöhe und bei Dir zu Hause fabelhaft schmecken: Weingut Aldinger